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Flughafen Lübeck: Zweifel an Plänen des Investors

Hamburg (ots) – Knapp ein Jahr nach dem Einstieg des chinesischen
Investors Chen Yongqiang am Flughafen Lübeck gibt es offenbar massive
Probleme bei der Umsetzung der Unternehmenspläne. Nach Recherchen des
Politikmagazins „Panorama 3“ im NDR Fernsehen (Dienstag, 23. Juni,
21.15 Uhr) und der „Zeit Hamburg“ betrifft das sowohl seine Pläne für
Medizintourismus als auch für eine geplante Flugschule. Darüber
hinaus befinden sich die Passagierzahlen am Flughafen Lübeck seit der
Abwanderung der Fluggesellschaft „Ryanair“ auf einem Tiefpunkt.

Vor knapp einem Jahr hatte Chen mit seiner Firma PuRen den
insolventen Flughafen übernommen. Anders als erhofft ist es bislang,
knapp ein Jahr nach dem Einstieg Chens, nicht gelungen, neue
Fluglinien für den Airport zu gewinnen. In einem Handyvideo, das eine
Ansprache Chens vor Mitarbeitern in China zeigt, verkündet der
Investor Gespräche mit Fluggesellschaften über Linienflüge nach
Lübeck. Dabei nennt er die Airline „Turkish Airlines“. „Panorama 3“
und „Zeit Hamburg“ haben nachgefragt. Die Firma „PuRen“ ist bei
„Turkish Airlines“ unbekannt. Verbindungen von Lübeck aus solle es
nicht geben.

Bei der Übergabe wollte der Investor das Geschäft mit teilweise
ungewöhnlichen Konzepten ankurbeln, beispielsweise mit
Medizintourismus: Zahlungskräftige Chinesen sollten zur Behandlung
nach Deutschland gebracht werden. „Panorama 3“ und „Zeit Hamburg“
haben diesbezüglich beim Universitätsklinikum Schleswig-Holstein mit
Sitz in Lübeck und Kiel nachgefragt. Es gebe derzeit weder Gespräche
noch konkrete Pläne mit Chen, heißt es dort.

Auch die Pläne für eine Flugschule kommen offenbar nicht voran.
Vorgesehen ist, dass chinesische Flugschüler zum Unterricht nach
Deutschland kommen. Nach Recherchen von „Panorama 3“ und „Zeit
Hamburg“ soll der Kurs zwischen fünf bis 20 Monate lang dauern und
bis zu 110.000 Euro kosten. Experten zweifeln jedoch, ob ein solcher
Plan in Lübeck umsetzbar ist. So sagt Dr. Michael Erb,
Geschäftsführer des deutschen Verbandes für allgemeine Luftfahrt
(AOPA), der die Interessen von Flugschulen, Fluglehrern und Piloten
vertritt, dass aufgrund des Wetters in der Region Flugschüler häufig
gar nicht starten dürften. „Da sind andere Standorte wie der
Südwesten der USA, wo man an 360 Tagen im Jahr fliegen kann, mit
Vorteilen ausgestattet.“

Auch die hohe Zahl von Flugschülern – bis zu 5000 sollen es
künftig pro Jahr sein – erscheint ihm unrealistisch: die Flugplatz-
wie auch Lehrkapazitäten reichen nicht aus. Erb: „2000 Privatpiloten
werden im Schnitt in der ganzen Bundesrepublik Deutschland
ausgebildet. Wir freuen uns grundsätzlich über jeden Investor, aber
ich sehe nicht, wie es realistisch funktionieren soll.“

Weder dem Luftfahrtbundesamt noch dem Landesbetrieb Straßenbau und
Verkehr Schleswig-Holstein liegen Anträge für Ausbildungslizenzen
vor. Unabhängig davon gibt es offenbar auch Probleme mit dem
Aufenthaltsrecht von Chinesen in Deutschland. Das Auswärtige Amt
teilte auf Anfrage mit, dass Chinesen für eine Flugausbildung für
eine private Pilotenlizenz kein Visum erhalten können, das länger als
drei Monate gültig ist.

Anfang Juni verkündete Chen eine Erfolgsmeldung: Man habe eine
Firma für Flugzeugwartung gegründet. Tatsächlich liegt für eine
Wartungsfirma eine Genehmigung des Luftfahrtbundesamtes vor.
Allerdings gilt diese Genehmigung nur für vier kleine Maschinentypen,
allesamt Zwei- und Dreisitzer. Offenbar sind für diese Sparte gerade
einmal drei Mitarbeiter eingestellt. Der Wirtschaftssenator Lübecks,
Sven Schindler (SPD), bestätigt gegenüber „Panorama 3″: “ Ob
tatsächlich Wartungsarbeiten oder die Herstellung von Flugzeugteilen
realistisch sind, davon hat man uns nichts mitgeteilt.“ Schindler
weiter: „Dieses eine Jahr ist sicherlich nicht so gelaufen, wie man
sich das vorstellt. Aber wir haben darauf keinen Einfluss. Das ist
die Unternehmensphilosophie eines Unternehmers, der hier am Standort
eine Vision hat, die wir nur schemenhaft kennen.“

Auf Nachfrage von „Panorama 3“ und „Zeit Hamburg“ reagierten
zunächst weder der Investor Chen noch die Flughafengesellschaft. Ein
Interview wurde abgelehnt. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt
es schließlich: Im Übrigen gehöre es nicht zur Geschäftspolitik, über
interne Angelegenheiten in der Öffentlichkeit zu berichten. „Über
ungelegte Eier (wie man wohl in Deutschland sagt) sprechen wir jetzt
und in Zukunft nicht“, so Chen.

Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
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Ralf Pleßmann
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