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Bremen ist weit besser als sein Ruf – Über die Raumfahrtbranche und weitere Stärken der Hansestadt schreibt Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender des Raumfahrtkonzerns OHB, in seiner neuesten Kolumne (FOTO)

Bremen (ots) –

Bremen hat seit kurzem eine neue Landesregierung, die bundesweit
einige Aufmerksamkeit erzeugt hat: erstmals regiert in einem
westdeutschen Bundesland eine Koalition aus SPD, Grünen und der
Partei Die Linke. Und Bremen hat mit Andreas Bovenschulte auch einen
neuen Bürgermeister und Regierungschef, der noch im Frühjahr als
Bürgermeister des Städtchens Weyhe vor den Toren Bremens amtierte.
Kurz vor der Wahl des Senats habe ich ein großes Interview mit
Bovenschulte in der Welt am Sonntag gelesen. Das hat mich natürlich
gefreut. Schließlich bin ich in Bremen groß geworden, meine Familie
und viele Freunde leben hier, die Stadt ist Gründungs- und Hauptsitz
von OHB. Deshalb finde ich es gut, wenn sich überregionale Medien für
das interessieren, was hier passiert. Ich glaube auch, dass dieses
Interesse durch die besondere politische Konstellation noch eine
Weile anhalten wird. Gewiss auch deshalb, weil das Jahr 2019 mit der
Europa-Wahl und den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und
Thüringen ohnehin ein sehr politisches ist und die nun auch
bundesweit nicht uninteressante neue Koalition in Bremen insgesamt
für eine größere Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Ich finde es aber auch darüber hinaus angemessen, dass Bremen
überregional mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Nicht nur wegen der
politischen Entwicklungen, sondern vor allem, weil Bremen als
Standort, als Ort zum Leben und Wohnen, weit besser ist als sein Ruf.
Ich komme als Unternehmer sehr viel herum, auch und besonders in
Deutschland. Und in den Gesprächen höre ich in Bezug auf Bremen
häufig Urteile und Vorstellungen, die meist sehr undifferenziert
sind; sogar das Bremer Wetter wird oft (noch) schlechter dargestellt
als es ist. Es ist ja nicht zu leugnen, dass Bremen von allen 16
Bundesländern am höchsten verschuldet ist. Es ist auch wahr, dass das
Bildungssystem Defizite aufweist. Und man kann nicht bestreiten, dass
die Kluft zwischen Arm und Reich in Bremen und Bremerhaven groß ist.
Daraus jedoch abzuleiten, dass in unserem Stadtstaat nichts
funktioniert, ist schlicht falsch.

Unsere Branche, die Raumfahrt, demonstriert etwa nachdrücklich das
Gegenteil. In dieser Kategorie gehört der Standort zur Weltspitze.
Mir fallen nur wenige Orte auf der Welt ein, in denen es eine
vergleichbare Konzentration von bedeutenden Industrieunternehmen,
renommierten Forschungsinstituten sowie hochklassigen Aus- und
Weiterbildungseinrichtungen in der Raumfahrt an einem Standort gibt.
Rund 140 Unternehmen und 20 Institute mit etwa 12.000 Beschäftigten
erwirtschaften in der „City of Space“ pro Jahr mehr als 4 Mrd. Euro.
Das ist nicht zuletzt ein Grund, weshalb OHB sich nicht nur mit
großer Überzeugung zu seinem Gründungs- und Hauptstandort bekennt,
sondern ihn auch seit vielen Jahren ständig und nachhaltig weiter
ausbaut. Allein im Jahr 2018 haben wir in Bremen mehr als 200 neue
Mitarbeiter eingestellt, 2019 werden weitere rund 150 dazu kommen.
Wir bauen auch die Infrastruktur auf unserem Firmengelände aus. Bis
2020 investieren wir rund EUR 20 Mio. in eine neue, große
Integrationshalle sowie zusätzliche Labore und Gebäudeerweiterungen.

Das Fundament ist in meiner Heimatstadt allerdings Jahrhunderte
alt, Bremen ist ein traditioneller Handels- und Wirtschaftsstandort.
Der Begriff Hansestadt ist untrennbar mit Bremen verbunden, die
Mitgliedschaft in der Hanse hat sich tief in die Bremische Identität
eingegraben. Das Hanseatische ist hier immer noch ein gelebter Wert,
sowohl im gesellschaftlichen wie auch im wirtschaftlichen Leben.
Gemeint ist damit eine gewisse Haltung, Integrität und
Verlässlichkeit. Gesellschaftlich ist damit auch Großzügigkeit
gemeint: neben Bremen kennt in Deutschland nur noch Hamburg einen
derart ausgeprägten Bürgersinn, durch den die Bewohner über das
Ehrenamt oder Stiftungen zum Wohl der Gemeinschaft beitragen.

Wirtschaft hat also in Bremen schon immer eine große Rolle
gespielt. Und sie tut es noch. Sehr erfolgreich übrigens. Nicht nur
in der Raumfahrt, sondern auch im volkswirtschaftlichen Sinn. In der
Bruttowertschöpfung der Bundesländer rangiert Bremen hinter
Baden-Württemberg auf Platz 2. Neulich fiel mir eine sehr
interessante Grafik in einer Wirtschaftszeitung auf. Sie hat die
Wirtschaftskraft verschiedener europäischer Länder nach Regionen
dargestellt. Demnach liegt das Bruttosozialprodukt Bremens bei 47.900
Euro pro Einwohner – weit über dem deutschen Schnitt von 38.200 Euro,
deutlich über dem Schnitt von etwa Köln und Düsseldorf und noch
deutlicher zum Beispiel über dem Pro-Kopf-Schnitt der französischen
Region Midi-Pyrénées, zu der auch Toulouse gehört. Wien, die
Hauptstadt Österreichs, liegt mit 48.600 Euro pro Kopf nur sehr wenig
vor Bremen. Und die Bruttowertschöpfung der leistungsstärksten
italienischen Provinz Südtirol liegt mehr als 5000 Euro unter der
Bremens.

Neben dem traditionellen Handel trägt vor allem aber auch die
Industrie zu dieser Wirtschaftskraft bei. Bremen ist bundesweit der
siebtgrößte Industriestandort. Die Raumfahrtindustrie bildet dabei
ein sehr großes und wichtiges Cluster: bei Airbus Bremen wird etwa
das Service Modul für das Raumschiff Orion für die Nasa gebaut, die
Ariane Group baut die Oberstufe für die europäische Trägerrakete
Ariane 5 und 6, OHB fertigt Satelliten, etwa für das europäische
Navigationssystem Galileo. Ich bin sehr zuversichtlich, dass der neue
Bürgermeister Andreas Bovenschulte und die neue Wirtschaftssenatorin
Kristina Vogt diese und viele andere Stärken des Standorts auch gerne
„draußen“ bewerben. Das tut nicht nur dem Selbstbewusstsein der
Bremer gut, sondern hilft auch der Wirtschaft. Denn alle Unternehmen
suchen dringend Fachkräfte und sind auch auf Nachwuchs angewiesen. Je
positiver das Bild Bremens außerhalb unserer schönen Stadt ist, desto
eher finden die besten Köpfe auch den Weg zu uns.

Pressekontakt:
Günther Hörbst
Leiter Unternehmenskommunikation
0421/2020-9438
guenther.hoerbst@ohb.de

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