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The AlixPartners Aerospace Study 2018: Rekorde bringen Luftfahrtindustrie ans Limit – Mehr als 14.000 Maschinen in den Auftragsbüchern, und massives Wachstum bis 2037 erwartet

München (ots) –

– 2017 erreichen Hersteller von Verkehrsflugzeugen und ihre
Zulieferer Rekordmarken bei Umsatz (340 Mrd. US-Dollar) und
Profit-Pool (40 Mrd. US-Dollar)
– Zahl der Verkehrsflugzeuge könnte in den nächsten zwanzig Jahren
um mehr als 75% auf knapp 40.000 Maschinen steigen
– Hersteller erwarten Verdreifachung ihres Service-Geschäfts in
den nächsten zehn Jahren auf dann mehr als 65 Mrd. US-Dollar
– Fluglinien zwischen Investitions- und Profitabilitätsdruck –
Treibstoffpreise dürften sich 2018 deutlich erhöhen, ihr
Gesamtbetriebskostenanteil könnte das dritte Jahr in Folge
merklich steigen, auf dann bis zu 25%
– M&A als Treiber von Innovation und Wachstum – Anzahl an
Transaktionen hat sich seit 2013 fast verdoppelt mit mehr als
400 Deals in 2017; Multiples auf stabilem zweistelligen Niveau
– Luftfahrtindustrie sollte Chancen der digitalen Transformation

nutzen – effektive Einsparungen von bis zu 20 Prozent möglich

Der solide Aufschwung der vergangenen Jahre bescherte der globalen
Luftfahrtindustrie Rekorde bei Umsatz und Profitabilität. Die
Auftragsbücher der Hersteller sind mit mehr als 14.000 Maschinen
gefüllt wie nie. Doch bei Produktion und Auslieferung arbeiten viele
Unternehmen bereits am Limit. Zudem wird das Umfeld rauer, der Sektor
steht vor einem grundlegenden Wandel. Zwar dürften der weltweite
Luftverkehr und die Flugzeugflotten weiter wachsen. Doch gilt es
gleichzeitig, die gesamte Wertschöpfungskette der Branche fit zu
machen für die damit verbundenen Herausforderungen: Hersteller müssen
ihre Produktionsprozesse und die Einführungszeit für neue
Technologien deutlich beschleunigen, in ihr Serviceangebot
investieren, Partnerschaften eingehen sowie neue Geschäftsmodelle
etablieren. Fluglinien müssen jetzt angesichts steigender
Treibstoffpreise und des Konkurrenzkampfs um die letzten, noch nicht
gänzlich erschlossenen Märkte in Asien und Afrika die richtigen
Entscheidungen treffen, um ihre Margen zu halten. Denn auch bei
weltweit steigenden Umsätzen – erwartet werden 834 Mrd. US-Dollar im
Jahr 2018 nach 754 Mrd. US-Dollar im Jahr 2017 – sank ihre
Profitabilität (EBIT-Marge) um einen Prozentpunkt auf 7,5%.
Luftfahrtindustrie und Fluglinien setzen dabei weiter auf Mergers &
Acquisitions (M&A) als ein probates strategisches Mittel, sich
Vorteile am Markt zu sichern. Dies verdeutlichen zahlreiche und teils
spektakuläre Deals der jüngsten Zeit. Weitere Chancen ergeben sich
aus der digitalen Transformation: Durch ihre Umsetzung über die
gesamte Wertschöpfungskette hinweg – von der Beschaffungslogistik
über die Produktentwicklung bis zum Vertrieb – könnten zahlreiche
Unternehmen ihre Kostenbasis in nur zwei bis drei Jahren um bis zu
20% verbessern.

Dies sind zentrale Ergebnisse der heute weltweit veröffentlichten
“AlixPartners Aerospace Study 2018”. Für diese hat die global
agierende Beratung über mehrere Monate hinweg Interviews mit
Industrieexperten geführt, die Branche analysiert und öffentlich
zugängliche und eigens erhobene Daten ausgewertet.

Industrie auf Transformation vorbereitet- Profit-Pool springt um
mehr als 30% auf über 40 Mrd. US-Dollar

AlixPartners geht davon aus, dass die weltweite
Verkehrsflugzeugflotte sich bei einer durchschnittlichen jährlichen
Zunahme des Luftverkehrs um 4,5% in den nächsten zwanzig Jahren fast
verdoppeln könnte – von 22.300 Maschinen (2017) auf knapp 40.000 im
Jahr 2037. Steigende Einnahmen versprechen sich die führenden
Flugzeughersteller von der Umstrukturierung und Ausweitung ihres
Serviceangebots: Die Studie erwartet hier in den nächsten zehn Jahren
mehr als eine Verdreifachung des Umsatzes von derzeit 20 Mrd.
US-Dollar auf dann über 65 Mrd. US-Dollar jährlich. Im Fokus stehen
Insourcing-Strategien sowie Investitionen in neue Partnerschaften und
Dienstleistungsangebote, die Kunden- und Zuliefererbeziehungen
gänzlich neu gestalten könnten – insbesondere in den wachsenden
Bereichen MRO (Maintenance, Repair & Overhaul), Trainings und
Datenmanagement sowie bei der Entwicklung neuer Produkte.

Zunächst jedoch muss die Industrie den aktuellen
Rekordauftragsbestand bewältigen. Zwar konnte der Bestand an
Bestellungen großer Verkehrsflugzeuge (Wide-Body-Flugzeuge, d.h.
Flugzeuge mit zwei oder mehr Kabinengängen) auf aktuell 2.320
Maschinen abgearbeitet werden und erreichte damit den niedrigsten
Stand seit dem Jahr 2010. Der Druck auf die Hersteller im Bereich der
Verkehrsflugzeuge mit nur einem Kabinengang (Narrow-Body-Flugzeuge)
bleibt jedoch hoch: Trotz voll ausgelasteter Produktionskapazitäten
hinkt hier die Auslieferung dem Kundenbedarf deutlich hinterher. Der
Auftragsbestand erreichte eine Rekordhöhe von über 11.700 – 145% mehr
als im Jahr 2010. In diesem Segment verorten die Studien-Autoren auch
künftig das größte Wachstum und Chancen für Wettbewerber außerhalb
des Duopols von Airbus und Boeing. Diese vereinten 2017 lediglich 7%
der Bestellungen auf sich. Bis dieser Anteil auf ein signifikantes
Niveau steigt, dürfte es allerdings lange dauern: Mit den Übernahmen
der Bombardier C-Serie durch Airbus sowie der Zivilsparte von Embraer
durch Boeing bleibt derzeit einzig die C919 des chinesischen
Herstellers Comac eine nennenswerte Alternative zu den Programmen der
B737- und A320-Familien, die aktuell dieses Marktsegment beherrschen.

“Entscheidend ist es, die Fertigungsprozesse zu optimieren – sie
einerseits zu beschleunigen, sie andererseits aber zudem auf
kurzfristige und schwer vorhersehbare Schwankungsrisiken
vorzubereiten”, sagt Stefan Ohl, Experte für die Luftfahrtindustrie
und Managing Director bei AlixPartners: “Mit langen Entwicklungs- und
Produktionszeiträumen sowie hohen Auftragsbeständen ist die
Luftfahrtindustrie von abrupten Veränderungen zwar weniger stark
betroffen als andere Branchen. Sie muss dennoch jetzt die
Voraussetzungen dafür schaffen, in einem immer dynamischeren Markt
flexibel agieren und reagieren zu können. Sonst läuft sie Gefahr,
ihre Belastungsgrenzen zu überschreiten. Der Einsatz nicht nur
neuester, sondern tatsächlich effektiver digitaler Technologien ist
hierfür ein Muss”. Die Studie legt den Unternehmen eine grundlegende
Transformation ihrer industriellen Prozesse nahe: “Die
Luftfahrtindustrie muss Automatisierung und Digitalisierung massiv
vorantreiben und ihre Fertigungsprozesse noch effizienter gestalten,
um die Vorlaufzeit zur Einführung neuer Modelle deutlich zu
verkürzen”, sagt Stefan Ohl. Auf die notwendigen Investitionen dürfte
die Branche gut vorbereitet sein. Ihr Profit-Pool sprang – nachdem
dieser zwei Jahre in Folge um durchschnittlich 10% zurückging – im
Jahr 2017 um mehr als 30 % auf über 40 Mrd. US-Dollar und übertraf
das bisherige Rekordjahr 2014 (38 Mrd. US-Dollar).

Airlines bleiben durch steigende Kosten und notwendige
Investitionen unter Druck

Die Profite kommerzieller Fluglinien wurden in den letzten Jahren
vor allem von vergleichsweise günstigen Treibstoffpreisen getragen.
Entsprechend anfällig ist ihre Kostenstruktur für sich abzeichnende
Preissteigerungen. So erwartet AlixPartners für 2018 ein Wachstum der
weltweiten Airline-Umsätze um gut 10% auf 834 Mrd. US-Dollar.
Treibstoffpreise aber könnten sich um mehr als ein Viertel erhöhen.
Ihr Anteil an den Gesamtbetriebskosten dürfte damit das dritte Jahr
in Folge steigen und bis zu 25% erreichen. Diese Entwicklung dürfte
die Profitabilität auf Vorjahresniveau einfrieren oder sogar leicht
zurückgehen lassen. Auch treibt das Segment der Low-Cost-Carrier die
Premium-Airlines weiterhin vor sich her. “Das zwingt große Player
dazu, eigene Billigfluglinien zu starten oder zu stärken und unter
demselben Dach um dieselbe Kundschaft zu konkurrieren”, erläutert
Arno Schuster, Airline-Experte von AlixPartners und vormals CEO eines
europäischen Regional Carriers.

Zusätzlicher Druck auf die Fluglinien ist entstanden, weil sie die
wenigen verbliebenen neuen oder bislang unvollständig erschlossenen
Märkte wie Asien und perspektivisch Afrika besetzen müssen. Dazu gilt
es, das Angebot auszuweiten und in neue Flugzeuge zu investieren, um
das Routennetz adäquat zu bedienen. Das wiederum erhöht das Risiko
längerer Standzeiten und leerer Sitze. Dass die Flottenwahl äußerst
präzise vorgenommen werden muss, verdeutlicht die drohende
Überkapazität im Falle der sechs großen Fluggesellschaften der
Golfstaaten: Aus deren aktuellen Bestellungen lässt sich ein
Flottenwachstum von mehr als 80% bis zum Jahr 2025 ableiten –
Flugzeuge, die altersbedingt aus dem Verkehr genommen werden, bereits
eingerechnet. Die Nachfrage jedoch würde im gleichen Zeitraum nur um
maximal 60% ansteigen, schätzt man bei AlixPartners. “Die deutliche
Differenz zwischen Angebot und Nachfrage dürfte sich nicht nur auf
die Gulf-Carrier selbst, sondern auch auf die meisten anderen
globalen Fluglinien auswirken, weil die Fluglinien der Golfstaaten
auf andere Märkte ausweichen werden – auch unter Nutzung von
Partnerschaften”, erläutert Schuster.

M&A als Schlüssel zu Agilität und Innovation

Die hohe Liquidität auf Unternehmensseite, das Interesse von
Finanzinvestoren und die gute Verfügbarkeit von Kapital dürften auch
in den kommenden Jahren zu strategischen Akquisitionen,
Zusammenschlüssen und Kooperationen führen. Sie bieten gute Chancen,
sich auf den Gebieten Technologie, Digitalisierung und
grenzüberschreitender Unternehmenspräsenz deutliche Vorteile zu
verschaffen. Nicht zuletzt deshalb haben sich die M&A-Aktivitäten mit
mehr als 400 Transaktionen (2017) im Vergleich zu 2013 fast
verdoppelt. Multiples blieben dabei im vergangenen Jahr auf einem
vergleichsweise hohen Wert (10,8 nach 11,5 im Jahr 2016). “Es ist
davon auszugehen, dass große Hersteller noch mehr Partnerschaften mit
kleinen und stark fokussierten Firmen eingehen werden, um
Entwicklungskosten zu senken und ihre Agilität zu erhöhen”, sagt
Stefan Ohl.

Wettbewerbsvorteile durch digitale Transformation

Die Profitabilität von Unternehmen, die sich bereits digital
zukunftsfähig aufgestellt haben, liegt um mehr als 15% höher als die
ihrer unzureichend digitalisierten Wettbewerber: Allein die bessere
Nutzung des bereits vorhandenen Datenpools kann AlixPartners-Analysen
zufolge kurzfristig die Kostenstruktur um bis zu 3% verbessern. Für
diese “Quick-Wins” sind keine wesentlichen Investitionen in die IT
erforderlich. Trotzdem nutzen viele Unternehmen diese Chance nicht,
weil sie der Digitalisierung immer noch einen zu niedrigen
Stellenwert einräumen. Mit Maßnahmen wie Data Lakes,
Big-Data-Analysen oder optimierten Bestellsystemen ließen sich
mittelfristig Einsparungen von 5 bis 10% erzielen. Und wer die
digitale Transformation zielgerichtet umsetzt – etwa Künstliche
Intelligenz und Prozessautomatisierung weitreichend nutzt -, kann
seine Kostenbasis auf Sicht von zwei bis drei Jahren sogar um bis zu
20% senken. Zielgerichtetes Handeln werde dabei besonders belohnt:
“Es geht nicht darum, sofort unbedacht zu starten, sondern zum
richtigen Zeitpunkt Wettbewerbsvorteile durch digitale Transformation
zu erlangen”, resümiert Stefan Ohl.

Über AlixPartners

Die global agierende Beratung AlixPartners steht für die
ergebnisorientierte Unterstützung namhafter Mandanten bei
zeitkritischen und komplexen Transformations- und
Ertragssteigerungsprogrammen. Tiefgreifende Branchenexpertise und
funktionale Kompetenz sowie die Kenntnis der Hebel erfolgreicher
Restrukturierung ermöglichen es AlixPartners, den Wandel von Groß-
und mittelständischen Unternehmen zielgerichtet zu begleiten. Vom
Wirtschaftsmagazin “Capital” und der WGMB wurde AlixPartners kürzlich
als beste Beratung im Bereich Transformation ausgezeichnet. Mit etwa
1.900 Mitarbeitern ist AlixPartners weltweit in mehr als 25 Büros
vertreten. AlixPartners-Berater arbeiten an herausfordernden
Projekten, die die Zukunft von Unternehmen maßgeblich beeinflussen,
oft in kritischen Situationen, bei denen viel auf dem Spiel steht –
When it really matters.

www.alixpartners.com

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Dr. Reinhard Saller
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