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DER STANDARD-Kommentar “Die AUA bleibt auf unsicherem Kurs” von Eric Frey

Auch mit dem neuen Kollektivvertrag ist die Airline nicht
gegen Krisen gewappnet. ET 09.10.2014

Wien (ots) – Jahrelang haben sie gestritten, einander mit Worten
und Klagen bekämpft. Doch dann haben sie sich zusammengesetzt, jeder
hat etwas nachgegeben, und das Ergebnis ist eine Friedenslösung, mit
der beide Seiten leben können – ein typisch österreichisches Happy
End für die AUA?

Schön wär?s. Dass eine Einigung auf den neuen Kollektivvertrag
noch scheitert, ist zwar unwahrscheinlich. Zu viel hätten Management
und Betriebsrat bzw. die Gewerkschaft dabei zu verlieren._Aber die
rot-weiß-rote Lufthansa-Tochter ist mit diesem Kompromiss sicher
nicht aus allen Turbulenzen heraus.

Die genauen Details sind unter Verschluss. Aber eines ist klar:
Die Personalkosten der AUA_werden zwar niedriger sein als unter dem
alten Kollektivvertrag, aber deutlich höher, als das Management einst
durch dessen Kündigung angepeilt hatte – und mehr als etwa beim
lokalen Konkurrenten Niki. Dank zwei, für sie vorteilhafte
Gerichtsentscheidungen saßen die Arbeitnehmer, allen voran die
Piloten, bei den Verhandlungen am längeren Ast. Denn die
österreichischen und europäischen Richter haben klargestellt, dass
die AUA_aus ihren alten Verpflichtungen nicht so leicht herauskommt,
wie es sich ihr Vorstandschef Jaan Albrecht vorgestellt hatte.

Aus Sicht der Rechtsicherheit waren diese Urteile zu begrüßen, aus
wirtschaftlicher Sicht nicht. Denn die Welt der Luftfahrt wandelt
sich so rasch, dass die alten AUA-Pilotenverträge wie Relikte aus
einer anderen Ära wirken. Netzwerk-Fluglinien mit volatilen Märkten
sind heute kaum noch profitabel zu führen. Die Kunden schätzen zwar
das gute Service und bequeme Verbindungen, sind aber nicht bereit,
dafür mehr zu bezahlen. Auf jeder Buchungswebseite werden sie von
Billig-Airlines mit niedrigeren Personalkosten unterboten. Ein paar
Ausfälle in Osteuropa und Nahost – und schon fliegt die AUA mit ihren
hohen Fixkosten in die Verlustzone.

Vor fünf Jahren wurde die AUA_von der damals noch potenten
Lufthansa gerettet. Doch seither ist auch die Mutter ins Trudeln
geraten. Staatliche Fluglinien aus der Golfregion, die aus
politischem Kalkül betrieben werden, bedrängen sie im einst so
profitablen Langstreckengeschäft.

Amerikanische Fluglinien sind ihrer Kostenfalle durch Insolvenz
entkommen. Doch das europäische Recht kennt kein “Chapter
11”;_Konkurs und Neugründung hätten der AUA_nicht nur ihre Flugrechte
gekostet, sondern auch zahlreiche Kunden vertrieben. Der
Betriebsübergang zur Tyrolean war eine Notlösung, die sich
rückblickend als Sackgasse erwiesen hat. Als letzte Hoffnung blieb
der AUA_die Einsicht des Betriebsrates, dass er seine goldene Gans
nicht schlachten darf. Ob die Zugeständnisse der Belegschaft groß
genug waren, um die AUA_wettbewerbsfähig zu halten, wird man erst
später wissen. Dass die Fluglinie wieder in ihre alternde Flotte
investieren kann, ist jedenfalls ein gutes Zeichen. Denn am Markt
kann die AUA_nur mit Qualität bestehen, und der Standort Wien braucht
ein Streckennetz, das über das einer reinen Lufthansa-Regionaltochter
hinausgeht.

Aber den Satz “Die AUA ist saniert” hat man schon zu oft gehört.
Sobald die nächste Krise eintrifft, stellt sich erneut die Frage, ob
Europas kleinere Altfluglinien eine Zukunft haben. Hilfe kann die
AUA_weder von der Lufthansa noch vom Steuerzahler erwarten. Früher
oder später werden sich ihr Vorstand und Betriebsrat wieder am
Verhandlungstisch treffen.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

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