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Berufsverband der Deutschen Chirurgen warnt: Deutsche Luftrettung wegen neuer EU-Norm in Gefahr

Berlin (ots) – Ab Oktober 2014 können nur noch die Hälfte aller
deutschen Krankenhäuser mit bisherigem Landeplatz von der Luftrettung
angeflogen werden – falls eine neue EU-Norm greift. Dies hätte
extreme Konsequenzen für Patienten, gerade für Schwerstverletzte und
dringende Verlegungen, warnt der Berufsverband der Deutschen
Chirurgen (BDC).

EU Norm “965/2012” fordert die luftrechtliche Zertifizierung von
Landeplätzen nach hohen technischen Standards. Für nicht
zertifizierte “Landestellen” gilt dann: die sogenannten
Flugbewegungen werden auf 100/Jahr (entspricht 50 Starts und
Landungen) beschränkt. Der Betrieb darf ausschließlich bei Tageslicht
und nur an einer bereits vor dem 01.07.2002 in Benutzung und am Boden
befindlichen Landestelle ausgeführt werden.

Die Norm basiert auf den technischen Gegebenheiten älterer und
weniger leistungsstarker Hubschrauber, wie sie zum Teil in anderen
EU-Ländern noch geflogen werden. Diese benötigen aufgrund ihrer
minderwertigen technischen Leistung einen sehr flachen Ein- und
Abflugwinkel, so dass z.B. im städtischen Bereich nur noch
Dachlandeplätze zertifiziert werden könnten.

Die Einschränkung der Flugbewegungen wird besonders kleinere und
mittlere Krankenhäuser treffen, die als lokale oder regionale
Trauma-Zentren auf Verlegungsmöglichkeiten schwerverletzter Patienten
an überregionale Trauma-Zentren angewiesen sind.

Prof. Dr. Julia Seifert, Vizepräsidentin des BDC, fordert die
Politik dringend zum Handeln auf. “Im Interesse zukünftiger Patienten
muss unsere Regierung diese EU-Regelung verhindern oder
Ausnahmeregelungen schaffen, damit die derzeitige Kapazität für
Luftrettungs-Transporte schwerkranker Menschen erhalten bleibt. In
Deutschland haben wir leistungsstarke Hubschrauber, für die die
genannten Beschränkungen nicht notwendig sind.”

Frau Prof. Dr. Seifert ist leitende Oberärztin in der
Unfallchirurgie und Rettungsmedizin am Unfallkrankenhaus Berlin und
beschäftigt sich seit mehreren Jahren kritisch mit geplanten
EU-Normen zu medizinisch chirurgischen Dienstleistungen.

Pressekontakt:
Kathrin Reisinger

Pressesprecherin
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