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Digitalisierung an Flughäfen bietet nicht nur Chancen für die Betreiber: Insbesondere im lukrativen Handels- und Parkhausgeschäft drohen Umsatzverluste in Milliardenhöhe

München (ots) –

– Neue Roland Berger-Studie: Durch digitale Anwendungen könnte das
Geschäftsvolumen internationaler Flughäfen deutlich sinken
– Erlöse aus Einzelhandel und Parken sind besonders gefährdet
– 20 Prozent der nicht-luftfahrtgebundenen Einnahmen stammen heute
aus dem Parkgeschäft – starker Rückgang möglich
– Konsistente Strategie statt punktueller Digitalprojekte
erforderlich
– Digitalisierung sollte zur Chefsache erklärt werden

Die Digitalisierung eröffnet internationalen Flughafenbetreibern
viele neue Geschäftschancen, bringt jedoch auch einige Risiken mit
sich. Denn durch neue Marktteilnehmer und innovative Angebote drohen
den Flughäfen auch deutliche Umsatzverluste – voraussichtlich
zwischen 2,5 und 5 Milliarden Dollar in den kommenden 5 Jahren,
sollten Flughafenbetreiber nicht entsprechend handeln. Dies
entspricht einem Anteil von 3 bis 6 Prozent des operativen
Betriebsergebnisses, so die aktuelle Roland Berger-Studie „Rise to
the Challenge“ über Chancen und Risiken der Digitalisierung für
Flughäfen.

„Neue Angebote wie Parkplatzbuchung, Car Sharing oder die
Möglichkeit, den Transport von weiter entfernten Parkplätzen zum
Terminal online zu buchen, schaffen sicherlich neue Erlösquellen“,
erklärt Martin Streichfuss, Partner von Roland Berger. „Doch es ist
keineswegs sicher, dass die entsprechenden Erlöse auch bei den
Flughäfen landen. Denn weitere Marktakteure könnten von der
Digitalisierung profitieren.“

Wettbewerb durch Drittanbieter nimmt zu

Digitale Technologien ermöglichen heute schnellere und
effizientere Prozesse in den Flughäfen: vom Check-in über den
Sicherheitscheck bis hin zur Gepäckaufgabe. Dadurch verbessert die
Digitalisierung vieler Prozesse den Reisekomfort und spart Zeit.
Andererseits führt die Digitalisierung zu Einnahmeausfällen:
„Verbringen Passagiere künftig deutlich weniger Zeit am Flughafen, so
haben sie auch weniger Gelegenheit, die dort angebotenen Waren zu
kaufen oder Dienstleistungen zu nutzen“, sagt Roland Berger-Experte
Kai-Marcus Peschl.

Hinzu kommt der zunehmende Wettbewerb der Online-Player: Vor allem
in nicht-luftfahrgebundenen Bereichen wie dem Reiseeinzelhandel, im
Duty free-Geschäft und im Parking-Bereich droht den Flughäfen künftig
ein härterer Konkurrenzkampf. Die Angebote vermehren sich rasant:
Durch Duty free-Shops an Bord und Online-Plattformen, über die Kunden
Produkte bestellen und nach Rückkehr entgegennehmen können, ergattern
vor allem die Fluggesellschaften immer größere Marktanteile. Einige
Airlines bieten auch über die Bildschirme am Sitz Zugang zu ihren
Shopping-Portalen, sodass die Passagiere sogar während der Fluges
online einkaufen können.

Auch beim Parken wird die digitale Revolution zu deutlichen
Umsatzausfällen führen. „Derzeit stammen rund 20 Prozent der
nicht-luftfahrtgebundenen Einnahmen von Flughäfen aus dem
Parkgeschäft“, erklärt Martin Streichfuss. „Innovative
Mobilitätslösungen wie etwa Mitfahrgelegenheiten oder autonom
fahrende Autos als Zubringer werden das Parkgeschäft stark
verändern.“

Digitalisierung an Flughäfen: eine ambivalente Entwicklung

Digitalisierung an Flughäfen bedeutet für Betreiber eine
schwierige Gratwanderung: Einerseits eröffnet sie Möglichkeiten, neue
Geschäfts- und Prozessideen umzusetzen. Andererseits sollten
Flughafenbetreiber, Wettbewerbsinitiativen abwehren, um
Umsatzverluste zu vermeiden. Dies bedeutet, dass Flughäfen teilweise
mit demselben Geschäftspartner in bestimmten Bereichen kooperieren
und in anderen konkurrieren sollten. „Diese Ambivalenz verunsichert
die Flughafenbetreiber“, beobachtet Roland Berger-Experte Kai-Marcus
Peschl. „Die Folge: Die Betreiber verfahren bei der Digitalisierung
oft nach dem Versuchsprinzip, anstatt eine vollständige Strategie
aufzusetzen. Sie springen eher von einer Digitalinitiative zur
nächsten.“

Das komplexe Umfeld eines Flughafens benötigt deshalb eine
zentrale Funktion, die eine durchdachte Digitalisierungsstrategie
aufsetzt und implementiert. Dies kann zur „Chefsache“ erklärt oder
durch einen eigens dafür zuständigen Chief Digital Officer (CDO)
übernommen werden. Bislang haben aber weniger als zwei Drittel der
europäischen Flughäfen eine derartige Funktion.

Eine umfassende Strategie würde den Betreibern dabei helfen, den
zunehmenden Wettbewerb von Drittanbietern in den Griff zu bekommen.
Durch gezielte Partnerschaften mit Online-Anbietern könnten zum
Beispiel Flughäfen ein integriertes on- und offline-Handelsangebot
aufbauen. In Zusammenarbeit mit den großen Online-Anbietern könnten
sie zudem Social Media-Daten der Passagiere intelligent nutzen, um
personalisierte Rabatte oder Produktempfehlungen anzubieten. „In
dieser Hinsicht wäre eine App, die an vielen Flughäfen weltweit
genutzt werden kann, sicherlich eine vielversprechende Lösung“, rät
Kai-Marcus Peschl.

Die Studie können Sie herunterladen unter:
www.rolandberger.de/pressemitteilungen

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